Lahic Altstadt

In den wilden Kaukasus

Ein weiser und allseits bekannter Philosoph hat damals schon gesagt „The Wilderness is the Preservation of the World“ (James Hetfield, Leadsinger Metallica). Da war er nun so nah: Der Kaukasus – sehnsüchtig erwarteten wir die ersten Schneespitzen am Horizont.

Das Ganze sollte sich jedoch noch ein wenig ziehen, denn das Geflecht der Hauptstadt Baku ist dicht und groß. Die Navigation an sich fiel recht leicht, da man nach ca. 15 Minuten hinter dem eigentlichen Zentrum auf einer der Hauptstraßen nur noch geradeaus musste.

Unser heutiges Ziel: Das idyllische Dorf Lahic. Laut Karte sind dafür ca. drei Stunden und 200 km veranschlagt . Umso mehr man sich von der Stadt entfernt, so schlechter wurden die Straßenbedingungen. Sehr schnell war nichts mehr von dem Prunk und dem Leuchten der „Flammentürme“ der Öl-Hauptstadt zu sehen. Hier begann das echte Aserbaidschan

Vorbereitungen fürs Camping:

Die Weiterfahrt verzögerte sich, da wir Einkäufe, Suppen, Wasser und Gin Tonic für das Überleben in der Wildnis erwerben mussten. Die Kosten sind alle überschaubar und summieren sich zu einem Bruchteil des deutschen Preisniveaus (Lebensmittel ca. 70-80% des deutschen Niveaus, Obst und Gemüse noch günstiger). Einen Abend vorher hatten wir gebrainstormt, welche Möglichkeiten es gibt den Spirituskocher zu verwenden. Denn wie bereits im ersten Teil erwähnt, besteht die Möglichkeit zu frieren und wir hatten ja meine „billig“-Thermoskanne dabei. Also stand Brennstoff ebenfalls auf der Einkaufsliste. Die Geschichte entwickelt sich noch und der Chronologie halber erzähle ich diese vollständig weiter unten. Allgemein kann festgehalten werden, dass Tankstellen in Aserbaidschan häufig sind und Benzin/Diesel preiswert (ca. 0,5 € pro Liter Benzin).

Zwangsstopp:

Als wir dann endlich den Großstadtdschungel verlassen hatten, türmten sich sogleich die ersten grünen Hügellandschaften vor uns auf. Im ersten Teil wurde bereits die hohe Staats- und Militärpräsenz thematisiert. Auf dem Land wurde daraus eine stetige Polizeipräsenz. Wenn man in einschlägigen Foren um Tipps und Erfahrungen zum Selbstfahren in Aserbaidschan bittet, kommt häufig der Hinweis, dass korrupte Polizeibeamte allgegenwärtig sind.

Und so wurde ich nach einer guten Stunde des gleichrhythmischen Schaukelns und Wegdösens schlagartig von Josés „Scheisse, die haben gedreht!“ geweckt.

Gemeint waren natürlich die Herrschaften von der lokalen Polizei, die Louis Hamilton, eh… José beim einmaligen Überland-Grand Prix von Aserbaidschan mit überhöhter Geschwindigkeit gemessen hatten. Einen Augenblick später standen wir sogleich auf dem Standstreifen, die Polizisten hinter uns, José zu sich bittend. Long story short – 50€ später und eine Verwarnung inklusive, durften wir weiterfahren. Von korrupter Polizei können wir nicht sprechen, da wir (wieso eigentlich wir?) in der Tat zu schnell unterwegs waren. Lediglich das Überlegen über die Höhe der zu zahlenden „Strafe“, welches doch einen Augenblick zu lange dauerte und das doch sehr freundliche Danken der Beamten im Anschluss, ließ uns daran zweifeln, ob wir nun wirklich auch 50€ zu schnell unterwegs gewesen waren.

 

50€ leichter und dennoch gut gelaunt ging es weiter. Die Landschaft veränderte sich zusehends. Hinter jeder Kurve erblickten wie neue Facetten der Landschaft. Eine Mischung aus Steppe und hochebenenartigen Wiesen wichen langsam der zunehmend felsigen, zerklüfteten Landschaft des Kaukasus – Kühe, Schafe, Ziegen am Straßenrand inklusive. Und endlich, da waren sie! Die langersehnten Schneekuppen des Kaukasus ragten vor uns empor! Schließlich erreichten wir gegen Abenddämmerung das Dorf Lahic und verließen es so gleich wieder mit der Maßgabe am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang das Dorf ohne weitere Besucher zu betreten, so dass wir ca. zwei Kilometer hinter Lahic unweit des Straßenrands unser Zelt aufschlugen. Das Auto parkten wir am Straßenrand, obwohl uns zunächst ein wenig unwohl damit war, was sich letztlich als völlig unbegründet herausstellte. Lediglich ein netter lokaler Dorfbewohner klopfte bei uns am Zelt an, um sicher zu gehen, dass es uns gut geht und dass wir „friedlich“ gesinnt sind.

Spiritus – da war was!…

Als die Nacht einbrach, erinnerten wir uns während des Frierens an die Brennflüssigkeit… Gehen wir kurz zurück zum Vortag und zum Einkaufen während des heutigen Tages.

Da ich bezüglich Brennflüssigkeit relativ unerfahren bin, weil ich sonst nur mit Gas koche, rief José am Vorabend kurzer Hand seinen Vater in Deutschland an. Als treuer DMAX-Konsument, oder zumindest stellte ich mir das so vor, kamen direkt diverse absolut überzeugende Tipps:

Da es sich als Mission Impossible herausstellte Brennspiritus zum Kochen zu erhalten (welcher zum Trinken wäre da nicht die Hürde gewesen), kauften wir auf unserem Weg ins Dorf Lahic also einen Liter Diesel.

Heiter kippten wir die gelb-braune Suppe in den Gaskocher, voller Vorfreude auf eine warme Suppe und eine wärmende Heiz-Thermosflasche. Okay, Pointe vorweg genommen: Es brannte nichts, absolut nichts. Denn wie wir hinterher erfuhren,… – überraschenderweise auch durch Josés Vater, haha – … ist Diesel einfach viel zu feucht. Benzin hätte dagegen wohl gut funktioniert. Um die 0 Grad Celsius ließen uns näherkommen als wir eigentlich eingeplant hatten. Falls jemand also Fragen hat, DMAX launcht bald eine Fragerunde zum Thema Brennflüssigkeiten mit Josés Vater. 😀

Die Nacht:

Von der Kälte in regelmäßigen Abständen geweckt und von diversen Tiergeräuschen in unmittelbarer Nähe wachgehalten, stellte sich die Nacht als „holprig“ dar. Als morgens die Sonne aufging, eilten wir so schnell es nur ging ins Auto, um dort zu Frühstücken und mit der Heizung unsere geschundenen Körper aufzuwärmen. Währenddessen machten wir auch ein kulinarisches Erlebnis der besonderen Art. Wir hatten am Tag zuvor irgendeine Art Trinkjoghurt im Supermarkt gekauft. Wie sich herausstellte, war dieser mit einem Übermaß an Kümmel „verfeinert“- definitiv nicht jedermanns Sache!

Leider bedeutet Sonnenaufgang bestes Fotolicht, weshalb ich mit gefrorenen Fingern mitten im Kaukasus stehend die pittoresken Dörfer am Fuße der Hänge versuchte einzufangen. Währenddessen waren Josés Extremitäten wieder bewegungsfähig und während ich noch auftaute, lenkte er uns sicher Richtung Dorfzentrum. Dieses war noch recht ausgestorben und wirkte authentisch. Wir hörten, dass Lahic gegen Mittag durchaus belebt und teils touristisch sein kann.

Sheppard in Lahic

Gegen 9:30 Uhr verließen wir das Dorf Richtung Seki (Saki) – Teil III. Auf dem Weg in das alte Städtchen an der Seidenstraße sahen wir nicht nur tolle Märkte sondern haben auch einen sehr guten Freund kennengelernt – Mohammed!

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