Azerbaijan III  – … von Wölfen und der Seidenstraße

Wir fuhren also aus Lahic raus Richtung Nordwesten zur alten Seidenstraßen Stadt namens Seki (Saki). Diese liegt ähnlich wie Lahic am Fuße der kaukasischen Berge, jedoch einige Täler weiter. Distanz: ca. 170 km, bei 2-3h Fahrt.

Bis dato fuhr ausschließlich José und er sollte diese verantwortungsvolle Aufgabe bis zum Ende unserer Reise inne haben. Ich muss sagen, da ich häufig und viel fahre, war ich ihm sehr dankbar dafür. Wir waren beide relativ müde von der holprigen Nacht bei 0 Grad und super funktionierender Wärmeflasche (Ironie off), so dass in der weltberühmten Stadt Qabala ich das Steuer übernahm (Gerne hier klicken für Teil II). Wir fuhren entlang der Schneekuppen und hielten an einem fotogenen Fluss an. Es juckte mir natürlich in den Fingern, endlich das ganze Fotoequipment auszuprobieren, als dann eine kleine Überraschung auf uns wartete.

Überraschung am Wegesrand:

Denn, quasi aus dem Gebüsch geschossen kam ein Mann auf einem Esel reitend. Kein Computerspiel hätte diese Szenerie idyllischer wirken lassen können. Der Mann stellte sich als Mohammed vor und war gerade auf dem Weg zum Feld, als er uns sah und mit einem gebrochenen Russisch-Azeri-Türkisch-Mix ansprach – wir verstanden uns natürlich blendend und so folgte er uns quasi bei dem Fotoprojekt. José durfte über Autos, Frauen und Gehälter plaudern sowie Familienfotos betrachten (Mohammeds Sohn war natürlich beim Militär). Ich versuchte währenddessen die Kamera zu bändigen. Resultate hier oder in der Galerie! (Mohammed & José)

Azeri People

Es war ein Ort zum Wohlfühlen, dieses kleine Fleckchen Erde, so rein und ruhig. Ist es das wofür wir auf Reisen gehen? Bestimmt. Man sollte aber nicht unausgesprochen lassen, dass es diese Gefühle auch mit weniger CO2-Ausstoß und Aufwand zu erleben gibt. Als Beispiel seien ja nur unsere wunderschönen Alpen genannt. Im Anschluss hätten wir wahrscheinlich drei Tage und drei Nächte bei Mohammeds Hof verbringen können, uns, als Rastlose, zog es natürlich weiter und so fuhren wir nach Seki.

Seidenstraße reloaded:

Am Fuße der Berge gelegen stellt die Altstadt von Seki ein wichtiges kulturelles Erbe der Zeit dar, als die Seidenstraße von China bis Europa aktiv belebt war. Natürlich liegt Seki nicht entlang der Hauptroute. Wie kann man die Eindrücke zusammenfassen?… Es ist eine ruhige und entspannte Stadt. Moscheen und Medressen als auch eine alte Karawanserei liegen oben in der Stadt. Allerdings ist sie natürlich kein Vergleich zu Städten wie Samarkand, Esfahan, Istanbul oder ähnlicher kultureller Hochburgen. Es ist ein nettes, verschlafenes Städtchen. Ich will damit sagen, man sollte hier durch irgendwelche Reiseberichte nicht das Gefühl kriegen, als sei es „the place to be“ und dennoch ist dieser Ort einen Nachmittagsstopp wert. Das kleine Highlight war das Restaurant im Tal, laut Google heißt es VIP Karvan Restaurant. Dort gab es allerlei, Hähnchen-Flügel (Toyug Kanadi), Spinat (Zabzi 😉 ) und weitere lokale Köstlichkeiten.

Mission Zeltplatz:

Mit der annähernden Abenddämmerung verließen wir Seki wieder. Wir machten kurz vor verlassen der Stadt noch eine Runde durch die Schwesterstadt Kis, auf dessen Hügel eine kleine, alte Kirche türmt – armenischer Bauweise (ohoh, ich hab Armenien gesagt). Unser Abend war geprägt von der entschlossenen Suche nach einem geeigneten Campingplatz. Wir fuhren ca. 50 km südwärts in Richtung der Stadt Turan, als wir  auf dem Weg einen wundervollen Hügel fanden, dessen Schotterpiste parallel entlang der Hauptstraße ca. 100 m weiter links verlief.

Bei der Suche nach einem Zeltplatz sind natürlich verschiedenste Themen relevant: 

  • flacher Boden und am besten am Rand leichtes Gefälle, sodass Regen abfließen kann
  • Evtl. auf mehreren Seiten Windschutz
  • Ein wenig Abgeschiedenheit und Ruhe – Autobahn sollte doch weiter weg sein.
  • Nicht zu viel Abgeschiedenheit und Ruhe – Etwas Handyempfang und Verbundenheit zur Zivilisation ist in fremden Gefilden mit Sicherheit nicht verkehrt.
  • Vorsicht vor Schäferhunden, diese können gut und gerne ohne böse Absicht zubeißen.
  • Ein geeigneter Parkplatz, denn Zelte sind in der Regel kaum sichtbar, aber ein Auto fällt schnell auf

Ich glaubte einen solchen Platz gefunden zu haben und siehe da, nach ca. 10 bis 15 Minuten des Fahrens auf besagter Schotterpiste fanden wir eine geeignete Stelle. Wir bauten das Zelt binnen Minuten auf, da wir auf dem Gipfel der grünen Hügel den Sonnenuntergang auf dem See, samt Schneeberge im Rücken, miterleben wollten.

Als das Spektakel vorüber war, wanderten wir müde zum Zelt zurück, um festzustellen, dass anscheinend auf der anderen Seite der grünen Hügellandschaft Wölfe ihr Unwesen trieben. Geheule und Gejaule hallte über die grünen Hänge zu uns hoch.

Da diese wundervollen Tiere normalerweise eher scheu und ängstlich sind, was Menschen betrifft, machten wir uns nicht allzu große Sorgen. Die Nacht verlief in der Folge ruhig und es muss erwähnt werden, dass diese freie Fläche auf grünem Untergrund im Vergleich zum Vorabend und zur beengten Fläche auf matschigem Untergrund einen erheblichen Vorteil bot. Nämlich, ca. 10 Grad Temperaturunterschied zum Vorabend und zur Vornacht. Wir schliefen wie Babies, bis wir dann pünktlich zum Sonnenaufgang (ca. 6 Uhr) von einer weiteren kaukasischen Überraschung geweckt wurden… (Teil IV)

Kaukasus Menschen

2 thoughts on “Aserbaidschan III  – … von Wölfen und der Seidenstraße”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert